Tschechien bereitet die Wiedereinführung der elektronischen Umsatzmeldung vor. Am 9. September 2026 hat das Abgeordnetenhaus den vom Senat zurückgesandten Gesetzentwurf erneut bestätigt. Der Start von EET 2.0 ist für den 1. Januar 2027 vorgesehen – POS-, ERP- und PMS-Anbieter mit Kunden in Tschechien sollten ihre Systeme deshalb jetzt vorbereiten.
EET steht für elektronická evidence tržeb, die elektronische Erfassung von Umsätzen. Das ursprüngliche EET-System lief in Tschechien ab 2016, wurde während der Corona-Pandemie ausgesetzt und zum 1. Januar 2023 abgeschafft. EET 2.0 ist der modernisierte Nachfolger und damit die Rückkehr der Fiskalisierung in Tschechien – online, transaktionsbasiert, zertifikatsgestützt und vollständig ohne Fiskalhardware.
Das Finanzministerium und die tschechische Finanzverwaltung (Finanční správa) betreiben seit dem 2. September 2026 unter Úvodní stránka | EET 2.0 - moderní evidence tržeb ein zentrales Portal zum neuen System. Die technische Dokumentation für Entwickler von Kassensystemen wurde bereits am 5. Juni 2026 veröffentlicht, die Testumgebung ist seit Juli 2026 offen.
Gemeldet werden Kontaktzahlungen sowie Barzahlungen, wenn sie Einnahmen aus unternehmerischer Tätigkeit sind und keiner gesetzlichen Ausnahme unterliegen. Entscheidend ist laut offizieller Übersicht nicht allein das Zahlungsmittel, sondern ob die Zahlung im direkten Kundenkontakt erfolgt beziehungsweise als Barzahlung unter die EET-Pflicht fällt:
Nicht erfasst sind Distanzzahlungen wie Banküberweisungen oder E-Shop-Zahlungen. Für ausgewählte Selbstständige im ersten Pauschalsteuer-Regime gibt es zusätzlich den Modus EET OFF, der von der Evidenzpflicht befreit. Laut offiziellem Portal gilt dieser Modus für natürliche Personen im ersten Pauschalsteuerband mit Einnahmen bis 1 Mio. CZK/Jahr gegen einen monatlichen Zuschlag von 1.400 CZK auf ihre Pauschalsteuer. Kleinstunternehmer können ab 1. Dezember 2026 die kostenlose Webanwendung MOJE eet der Finanzverwaltung nutzen – für alle anderen läuft die Meldung über das eigene Kassensystem.
EET 2.0 wird in mehreren Schritten eingeführt: Erst kommen Registrierung und Kassenzertifikate, dann die Webanwendung MOJE eet, anschließend der Start für alle mit Pilotbetrieb im Januar.
Die vollständige Timeline von der Einführung 2016 bis zum Vollbetrieb 2027 finden Sie auf unserer Länderseite Tschechien.
Wichtige Monate für Unternehmen sind November und Dezember 2026. Kassenzertifikate sind erst ab dem 1. November im Portal MOJE daně verfügbar. Unternehmen mit vielen Kassen sollten die Ausstellung daher frühzeitig planen – besonders, wenn mehrere Standorte oder dreistellige Kassenzahlen betroffen sind.
Wer die alte Schnittstelle kennt, wird überrascht sein: Die neue Meldung verlangt weniger Daten, nicht mehr. Die Finanzverwaltung hat bewusst die Punkte vereinfacht, die im alten EET-System administrativ aufwendig waren.
| EET 1.0 (bis 2023) | EET 2.0 (ab 2027) | |
|---|---|---|
| USt-Aufschlüsselung je Satz | Pflicht | entfällt vollständig |
| Sicherheitscodes PKP / BKP | Pflicht, PKP im Offline-Fall gedruckt | existieren nicht mehr |
| Umsatzregime (režim) | Pflicht | entfällt |
| Differenzbesteuerung | Pflicht, wo zutreffend | entfällt |
| Bestätigungscode | FIK | POK |
| Steuerpflichtigen-Kennung | dic_popl (DIČ) | eic_popl (EIC: CZ + 8 bis 10 Ziffern) |
| Einheiten-Kennung | id_provoz, selbst gewählt | id_jednotky, vom DIS+-Portal vergeben |
| Offline-Frist | 48 Stunden | 48 Stunden (unverändert) |
| Belegdruckpflicht | FIK oder PKP mussten gedruckt werden | keine gesetzliche Druckpflicht |
Kurz gefasst: Die Meldung beschränkt sich künftig auf die Kerndaten des Verkaufs: registrierte Einheit, Kasse, Zeitpunkt, Belegnummer und Betrag. Keine Artikeldaten, keine Steuersätze, keine Kundendaten. Weil die USt-Aufschlüsselung entfällt, fließen tschechische Steuergruppen nicht mehr in die Fiskalisierung ein – für eigene Summen und Z-Berichte bleiben sie selbstverständlich relevant.
Für POS-, ERP- und PMS-Anbieter ist vor allem wichtig: EET 2.0 bleibt eine Online-Meldung aus der Kassensoftware heraus. Jede relevante Zahlung wird von der Kasse beziehungsweise Middleware signiert, an die Finanzverwaltung gesendet und mit einem Bestätigungscode (POK) oder einer Fehlermeldung beantwortet.
Der wichtigste Punkt für die Vorbereitung: Nicht jede technische Vorgabe muss im Kassensystem selbst gelöst werden. efsta’s Middleware übernimmt die Signatur, Kommunikation, Zertifikatslogik, Antwortprüfung und Offline-Nachmeldung zentral – dadurch bleiben POS-, ERP- und PMS-Systeme deutlich näher an ihrer eigentlichen Verkaufslogik.
Die Zertifikate sind einer der wichtigsten Vorbereitungsblöcke: Sie sichern Authentifizierung, Signatur, Transportverschlüsselung und Antwortprüfung – und müssen rechtzeitig vor dem Start beschafft und erneuert werden.
EET 2.0 arbeitet mit drei Zertifikaten: dem Kassenzertifikat für Authentifizierung und Signatur der Meldungen, dem SSL-Zertifikat für die HTTPS-Verbindung und dem Antwortsignatur-Zertifikat der Finanzverwaltung, dessen Gültigkeit die Kasse prüfen muss.
Das Kassenzertifikat (RSA 2048, PKCS#12) ist 366 Tage gültig. Die Erneuerung gehört damit als jährlich wiederkehrende Aufgabe in den Betriebsplan, nicht in die Projektabschlussliste. Die efsta Fiscal Middleware warnt automatisch, sobald ein Zertifikat weniger als 31 Tage Restlaufzeit hat.
Die efsta Fiscal Middleware ist bereits an EET 2.0 angebunden. Verfügbar sind aktuell:
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Brauche ich in Tschechien neue Kassenhardware für EET 2.0?
Nein. EET 2.0 ist in Tschechien ein softwarebasiertes Fiskalisierungsmodell: Bestehende POS-, ERP- oder PMS-Systeme müssen über Schnittstelle, Zertifikate und Signatur angebunden werden, benötigen aber keine spezielle Fiskalhardware.
Was ändert sich bei EET 2.0 im Vergleich zu EET 1.0?
EET 2.0 reduziert den Meldeumfang deutlich: USt-Aufschlüsselungen, PKP/BKP, Umsatzregime und Differenzbesteuerung entfallen. Neu sind unter anderem die Kennung EIC statt DIČ, die vom DIS+-Portal vergebene Einheitenkennung und der Bestätigungscode POK.
Was ist der Bestätigungscode POK und was wurde aus dem FIK?
POK ist der neue Bestätigungscode, den die Finanzverwaltung nach einer erfolgreichen EET-2.0-Meldung zurückgibt. Der frühere FIK aus EET 1.0 wird damit ersetzt; PKP und BKP gibt es im neuen System nicht mehr.
Wie funktionieren die Kassenzertifikate und welche Fristen gelten in Tschechien?
Kassenzertifikate können ab 1. November 2026 im Portal MOJE daně beziehungsweise DIS+ ausgestellt werden. Sie sind 366 Tage gültig; pro registrierter Einheit (jednotka) sind maximal zehn Zertifikate pro Tag möglich, weshalb größere Rollouts frühzeitig geplant werden sollten.
Was ist der Modus EET OFF und für wen gilt die Ausnahme?
EET OFF ist eine Ausnahme für ausgewählte natürliche Personen im ersten Pauschalsteuerband. Sie richtet sich an Kleinstunternehmer mit Einnahmen bis 1 Mio. CZK pro Jahr und befreit unter den offiziellen Bedingungen von der laufenden EET-Meldepflicht.
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